Das österreichische Schulsystem hat mit einer Überalterung seiner Lehrenden zu kämpfen. In den kommenden Jahren wird die Hälfte des Lehrpersonals in Pension gehen. Alleine in Oberösterreich haben dieses Jahr 500 Pädagoginnen höherer Schulen ihr Pensionsalter erreicht. Ihnen stehen jedoch nur 91 Junglehrerinnen gegenüber. Verschärfend kommt hinzu, dass der Lehrberuf weiblich dominiert ist und damit auch Ausfälle durch Karenzzeiten kompensiert werden müssen.
Mit ein Grund für die prekäre Situation ist sicher das Vorgehen in der Ära Gehrer, in der viele Lehrende mit “Golden Handshake” verfrüht in Pension geschickt wurden, um ihren wartenden jungen Kolleginnen Platz zu machen. Gleichzeitig riet man jungen Menschen davon ab, Lehramtsstudien zu besuchen, da diese aktuell (!) wenig Jobaussichten böten. – Der Grundstein für den personellen Supergau der nächsten Jahre war gelegt.
Im Bundesministerium geht man von einer Zuspitzung der Situation bis ins Jahr 2013 aus. Diese Schätzung wirkt allerdings recht optimistisch, bedenkt man den sich abzeichnenden Personalbedarf für die flächendeckende Neue Mittelschule. So ist es nicht verwunderlich, dass zur Zeit händeringend nach Lösungen gesucht wird: Unterrichtende Studenten und Pensionisten, vermehrte Überstunden, Einschränkung bei der Teilzeitregelung sowie der Ruf nach einer erhöhten Lehrverpflichtung.
War letzteres bis vor kurzem noch eine Forderung jener Massen, die den Lehrberuf als Paradies der Arbeitswelt beschimpften (Halbtagsjob, über 2 Monate Ferien etc.), so finden sich auch bei den Entscheidungsträgern immer mehr, die einer höheren Lehrverpflichtung etwas abgewinnen können. So meinte etwa der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer in einem Interview, dass es denkbar wäre, die Lehrverpflichtung für Junglehrer zu erhöhen. Voraussetzung dafür sei allerdings eine Anpassung der Besoldung (höheres Einstiegsgehalt, flachere Gehaltskurve) – eine spannende Forderung im chronisch unterfinanzierten Bildungssystem. Recht elegant ließe sich dies alles wohl mit dem geplanten neuen und einheitlichen Dienstrecht für Lehrende umsetzen.
Auf den ersten Blick scheint die Forderung nach einer höheren Lehrverpflichtung einiges für sich zu haben: auf einen Schlag würden eine Menge zusätzlicher Stunden für billiges Geld zur Verfügung stehen, kostet eine Junglehrerin doch um einiges weniger als eine ältere Kollegin die knapp vor der Pension steht. Die Tatsache, dass Unterrichtende am Anfang ihrer Karriere eine sehr vorbereitungsintensive Zeit vor sich haben, bleibt dabei aber unberücksichtigt. Jede Stunde Unterricht mehr, bedeutet auch ein Mehr an – gerade in den Anfangsjahren zu kurz bemessener – Vorbereitungszeit. So meinte eine diensterfahrene Pädagogin im Gespräch mit kreidestaub.at, dass es für sie keinen nennenswerten Mehraufwand darstellen würde, wenn sie 1-2 Stunden mehr in der Klasse stehen würde. Für ihre jungen Kolleginnen wäre dies aber fast unmöglich ohne die Qualität ihrer Stunden nicht noch mehr zu gefährden, als dies schon heute der Fall sei.
Anstatt also den Nachwuchs (egal ob Studentin oder fertig ausgebildete Lehrerin) mit einer Menge Unterrichtsstunden in die Klassen zu stellen, wäre es sinnvoller bei den Jungen die gehaltenen Stunden zu reduzieren und ihnen mehr Vorbereitungszeit und verpflichtende Stunden zur Reflexion mit einer Mentorin einzuräumen. Gerade der Ansatz der Neuen Mittelschule, mit Zweitlehrerin bzw. Lehrerinnenteam, würde die Chance bieten unter Anleitung lehren zu lernen.
Zusätzlich zur erhöhten Lehrverpflichtung droht den Junglehrerinnen noch von anderer Seite Mehrarbeit: Im Zuge der Reformierung der Lehrerinnenausbildung, wird ein Masterabschluss gefordert. Dieser soll innerhalb von fünf Jahren berufsbegleitend (!) erworben werden.
Sollten diese beiden Punkte verwirklicht werden, ist mit überforderten Jungpädagoginnen zu rechnen; die sinkende Unterrichtsqualität, dürfen unsere Kinder ausbaden. Im schlechtesten Fall zerbricht der unterrichtende Nachwuchs an den Rahmenbedingungen und scheidet verfrüht aus dem Schulsystem aus. Somit hätte man genau das erreicht, was man verhindern wollte: einen Mangel an Lehrenden.
Über eine höhere Lehrverpflichtung darf und soll auf jeden Fall diskutiert werden. Es kann aber nicht sein, dass die Qualität der Ausbildung unter dieser Maßnahme leidet. Die Frage ist, ob es nicht ein sinnvoller Ansatz wäre, die Lehrverpflichtung bei erfahrenen Lehrerinnen zu erhöhen und ihnen dafür die administrativen Tätigkeiten abzunehmen. Natürlich kostet eine solche Lösung mehr Geld; aber sollten es uns unsere Kinder nicht wert sein?


Es scheint so, dass der Stadtschulrat für Wien zur Erhöhung der Lehrverpflichtung eine eigene k...